Vom Comms-Lead in der Autobranche zum Bürgermeister in der Oberpfalz

Vom Comms-Lead in der Autobranche zum Bürgermeister in der Oberpfalz

Wenn es so etwas gibt wie eine Vorzeigekarriere, dann hat Franz Rumstadt geliefert: Abi und Studium mit Bestnoten, Top-Job bei Porsche, Doktortitel in Strategic Marketing. 2021 war er Teil der 30u30-Crew, beruflich kümmerte er sich zuletzt um die CEO-Kommunikation der Volkswagen Group. Doch seit Frühjahr 2026 hat er eine neue Aufgabe: als Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Lappersdorf in Bayern. Im Interview spricht Franz über seine Motivation – und darüber, was er an seinem Comms-Job am meisten vermisst.

Franz, du bist seit März 2026 erster Bürgermeister von Lappersdorf bei Regensburg. Warum hast du kandidiert?

Ich mache seit meinem 14. Lebensjahr Kommunalpolitik und konnte mir deshalb schon früh vorstellen, einmal Bürgermeister zu werden. Für mich war Politik nie etwas Abstraktes, sondern immer eng mit dem Leben vor Ort verbunden – mit Vereinen, Ehrenamt und den Menschen in meiner Heimatgemeinde. Jetzt war aus meiner Sicht der richtige Zeitpunkt gekommen, Verantwortung zu übernehmen. Lappersdorf steht vor großen Herausforderungen, vor allem finanziell und strukturell. Gleichzeitig gibt es enorme Chancen, Dinge neu zu gestalten. Ich bin zwar erst 29 und hätte auch noch eine Amtsperiode warten können. Aber ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich mir das Amt in sechs Jahren noch zugetraut hätte, wenn wir bis dahin die Themen weiterlaufen hätten lassen, statt sie systematisch anzupacken.

Vorher warst du in führenden Comms-Rollen bei Volkswagen und Porsche. Was hast du hier gelernt, das dich für deine Aufgaben als Bürgermeister wappnet?

Erstens: komplexe Gedanken zu strukturieren. In der Kommunalpolitik geht es an vielen Stellen darum, Ordnung in schwierige Themen zu bringen. Das lernt man in der Konzernkommunikation.
Zweitens: Themen zu verstehen, die einem zunächst fremd sind. Im Konzern können das technische Krisen, Strategiefragen oder Produktionsprozesse sein – in der Kommunalpolitik geht es um Bauprojekte, Vereinsrecht oder die Frage, welche Sportstätte einen Kunstrasenplatz bekommt und welche nicht. Aber immer gilt: Man muss sich tief einarbeiten und am Ende verständliche Botschaften formulieren. Das ist eine Fähigkeit, die man als Kommunikator lernt. Und Drittens: den Austausch auf Augenhöhe mit ganz unterschiedlichen Akteuren. Ich habe bei Volkswagen und Porsche mit Managern auf der obersten Ebene zusammengearbeitet – und ich würde sagen, dass ich auch immer Respekt vor Hierarchien hatte. Aber ich war einer der wenigen, die nicht von Grund auf verstummt sind, wenn sie den Raum betreten haben. Man hat mir im Konzern gerne eine gewisse Bodenständigkeit und einen hilfreichen Pragmatismus attestiert. Das hilft mir auch in meiner Rolle als Bürgermeister: Politik darf nicht nur innerhalb von Parteien oder Bubbles stattfinden. Wer auf einem Feuerwehrfest nicht erklären kann, wofür er steht, ist aus meiner Sicht für politische Verantwortung völlig ungeeignet.

Von welchen Erfahrungen aus deiner Reise bei 30u30 profitierst du heute?

30u30 war für mich der eigentliche Einstieg in die Kommunikationsbranche außerhalb des Konzerns. Ich habe dort gemerkt, wie eng und familiär die Szene ist und wie wertvoll der Austausch mit anderen jungen Kommunikatorinnen und Kommunikatoren sein kann. Besonders spannend fand ich, ähnliche Fragestellungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Dieses Netzwerk und der offene Austausch helfen mir bis heute. Außerdem verbindet einen die gemeinsame Erfahrung langfristig – man begegnet sich immer wieder.

Was wird du an deinem Comms-Jobs vermissen?

Am meisten wahrscheinlich die internationale Perspektive. Ich fand es immer spannend, Projekte in unterschiedlichen Ländern und Kulturen zu begleiten und dadurch den eigenen Blick zu erweitern. Das wird im kommunalpolitischen Alltag natürlich weniger. Gleichzeitig war der Wechsel keine bewusste Abkehr vom Konzern, sondern eine Entscheidung für das Bürgermeisteramt und für meine Heimat. Und um fair zu bleiben: Als hauptberuflicher Bürgermeister in Bayern verdient man zwar nicht so viel wie in einer Führungsposition bei Porsche und VW. Aber man kann gut davon leben und ist abgesichert. Ich finde: Ich hatte viele Jahre den zweitschönsten Job der Welt. Jetzt habe ich den schönsten.

Und worüber bist du froh, es künftig nicht mehr tun zu müssen?

Ich formuliere es mal so: Ich entscheide jetzt selbst, was ein Problem ist – und das ist gut so.

Talent im Interview

Franz Rumstadt
Franz Rumstadt

Bürgermeister

Franz Rumstadt war 2021 Teil der 30u30-Crew, beruflich kümmerte er sich zuletzt um die CEO-Kommunikation der Volkswagen Group. Seit Frühjahr 2026 ist er Bürgermeister der Marktgemeinde Lappersdorf in Bayern.

Verwandt

„Karriere ist wie ein Klettergerüst.“

„Karriere ist wie ein Klettergerüst.“

Larissa Rohr war vor sechs Jahren Teil der #30u30 Crew - damals noch als Volontärin bei BASF. Auf ihrem Weg zu ihrer heutigen Stelle bei der Deutschen Bahn hat sie sich immer Wegbegleiter:innen gesucht - nicht nur in höheren Positionen, sondern auch unter ihren Peers.

Larissa, wo in deiner Karriere dich die #30u#30-Nominierung „erwischt“ hat und was hat das für dich bedeutet?

Die Nominierung hat mich im Sommer 2019 überrascht, als ich gerade mein Volontariat beim Chemiekonzern BASF begonnen hatte. Ich sah die Nominierung als große Chance, mich mit spannenden Peers zu vernetzen. Heute kann ich bestätigen: #30u30 ist ein tolles Netzwerk, in dem man sich – auch mal vertraulich – über Themen und Fragestellungen austauschen kann. Uns alle beschäftigen ähnliche Themen und Fragen, aber die Perspektiven darauf sind unterschiedlich. #30u30 ermöglicht mir oft genau diesen Blick über den Tellerrand.

Seit deinem Volontariat bei BASF hast du dich ziemlich schnell weiterentwickelt: Digital Communications Managerin bei Procter & Gamble, bei der Deutschen Bahn hast du die Kommunikation für Digitalisierung & Technik geleitet und jetzt bist du verantwortlich für die Weiterentwicklung des Social Intranets. Wie hast du diese Schritte vorangetrieben? Wer hat dich unterstützt, wo hast du dir gezielt Unterstützung gesucht?

Für mich war es am Anfang meiner Karriere wichtig, verschiedene Branchen und Bereiche kennenzulernen. Bei BASF konzentrierte sich die Arbeit auf B2B-Kommunikation und darauf, viele komplexe Forschungsthemen auf einfache Weise zu erklären. Bei P&G lag der Schwerpunkt auf B2C-Kommunikation in einem spannenden internationalen Umfeld. Bei der Deutschen Bahn verbinde ich Technik- und Digitalthemen mit einem Produkt, das alle kennen. Und ich lerne in einem politiknahen Umfeld viel über Stakeholdermanagement. Für mich ist Karriere wie ein Klettergerüst. Mentor:innen sind ein gutes Sicherheitsnetz. Sie geben Rat, eröffnen neue Perspektiven und stellen zur richtigen Zeit die richtigen Fragen. Ich habe mir gezielt Wegbegleiter:innen aus verschiedenen Bereichen und Karrierestufen gesucht, nicht nur aus der Kommunikation, sondern auch aus Sales, Marketing und Change Management.

Welche Rolle spielte über die Jahre die Verbindung zu #30u30?

Nico Kunkel als Initiator und mein #30u30 Jahrgang waren wie ein Soundingboard für mich. Wir haben uns immer wieder bei Veranstaltungen getroffen und ausgetauscht. In diesem Kreis war direkt eine Vertrauensbasis da, ein Geben-und-Nehmen-Mindset. Nico hat einen unglaublich guten und breiten Überblick über die Branche, kennt immer jemanden, der mal vor dem gleichen Problem steht oder an einem ähnlichen Thema arbeitet. Und er ist einer der besten Zuhörer, den ich kenne. Das hilft ungemein.

Welche Netzwerke haben dir noch geholfen?

Nico hat mir bei einem unserer Mittagessen einen nützlichen Tipp gegeben: Natürlich macht es Sinn, sich mit Leuten in höheren Positionen zu vernetzen. Aber genauso sinnvoll ist es, mit den eigenen Peers zu netzwerken. Ein besonders wertvolles Netzwerk hat sich im Rahmen des Karriereförderprogramms für Frauen der Begabtenförderungswerke gebildet, das ich während meines Studiums durchlaufen habe. Hier sprechen wir vor allem über Karriereplanung, Führung, Werte und Work-Life-Balance. Außerdem bin ich als Alumna bei den Altstipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung aktiv. Dort habe ich ein Mentoring-Programm mit aufgebaut und unterstütze bei der Auswahl neuer Stipendiat:innen. Besonders wertvoll ist hier der Austausch auf Augenhöhe über verschiedene Branchen hinweg.

Gibt es aktuell ein Thema, bei dem du besonders vom Austausch mit anderen profitierst?

Absolut – das ist derzeit Künstliche Intelligenz. Ich habe mich sehr früh mit dem Thema beschäftigt und bereits vor zwei Jahren eine Weiterbildung zur KI-Managerin gemacht. Gerade bei KI gibt es viele Chancen, aber auch viele offene Fragen. Deshalb ist der Austausch mit anderen für mich besonders wertvoll – und zwar nicht nur innerhalb der Kommunikationsbranche. Die besten Impulse entstehen oft im Austausch mit Kolleg:innen aus IT, HR oder Change Management. Dieser interdisziplinäre Blick über hilft, die Auswirkungen von KI auf unseren Berufsalltag besser zu verstehen.
KI kann uns viele Routinetätigkeiten abnehmen und Freiräume für die Dinge schaffen, die Menschen besonders gut können: Beziehungen aufbauen, Entscheidungen treffen, Kreativität entfalten und Orientierung geben. Gleichzeitig müssen wir verantwortungsvoll mit der Technologie umgehen und Kompetenzen aufbauen. Für Kommunikator:innen bedeutet das vor allem: ausprobieren, lernen und andere auf dem Weg mitnehmen.

Wenn du heute auf die nächsten fünf Jahre blickst: Welche Fähigkeit wird für Kommunikator:innen besonders wichtig?

Die Fähigkeit, Brücken zu bauen. Wir erleben aktuell, wie Technologie, Kommunikation, Unternehmenskultur und Change Management immer stärker zusammenwachsen. Kommunikator:innen müssen deshalb nicht nur Geschichten erzählen können, sondern auch technologische Entwicklungen verstehen und übersetzen. Wer zwischen Fachbereichen vermitteln, Komplexität reduzieren, kritisch denken und Menschen für Veränderungen gewinnen kann, wird einen großen Unterschied machen. Gerade im KI-Zeitalter wird das wichtiger denn je.

Talent im Interview

Larissa Rohr
Larissa Rohr

Platform Owner DB Intranet

Larissa Rohr startete ihre Comms-Karriere bei BASF und ging dann zu Procter & Gamble. Bei der Deutschen Bahn gehört sie mit Anfang 30 zu den jüngsten Führungskräften.

Verwandt

Skill-Sets statt Karrierestufen: Wie Talente in Organisationen ohne Hierarchien wachsen können

Skill-Sets statt Karrierestufen: Wie Talente in Organisationen ohne Hierarchien wachsen können

Mit Dynamic Shared Ownership hat Bayer ein komplett neues Organisationsmodell eingeführt: weg von Hierarchien und Bürokratie, hin zu autonomen Teams und agilen Entscheidungsprozessen. Karolin Berg und Lukas Rybka haben den Umbau mit einer Video-Serie begleitet, unterstützt von #30u30-Partner goodthoughts. Im Interview verraten die beiden, was DSO für Talent und Karriereentwicklung im Konzern bedeutet.

Karo und Lukas, erzählt doch mal: Wie kam es zu eurer Videoserie „DSO bewegt“?

Karolin Berg: Mit DSO hat Bayer ein revolutionäres Betriebsmodell eingeführt – und zwar von der Pieke auf. Es ging darum, alle Prozesse einmal genau unter die Lupe zu nehmen und zu überlegen, wie sie ohne viel Bürokratie beschleunigt werden können – gemeinsam mit den Mitarbeitenden, aber auch mit externen Stakeholdern wie Landwirten, Kunden, Patienten. Das ist natürlich ein riesiges Change-Vorhaben, das selbstverständlich auch von einer globalen Change Communication begleitet wird. Wir haben aber festgestellt, dass es in Deutschland zusätzlich einen eigenen Ansatz braucht.

Und da kamt ihr ins Spiel?

Karolin: Genau. Ich bin seit mehr als fünf Jahren in der Kommunikation bei Bayer – gestartet bin ich als Volontärin und durfte später als eine der ersten Kommunikatorinnen an einem internen Future Leadership Programm teilnehmen. Mein inhaltlicher Fokus liegt schon länger auf Change-Themen. Lukas kommt aus der HR und ist von Anfang an mein Co-Moderator in dem Projekt. Die Idee dahinter ist eigentlich relativ simpel: Wir sprechen mit Kollegen und Kolleginnen in den unterschiedlichsten Rollen. Wir zeigen verschiedene Perspektiven und versuchen so, DSO greifbar zu machen. Das heißt: Wir fragen die Teams, wie sie die neuen Strukturen umsetzen, welche Probleme und Hürden ihnen begegnen. Aber natürlich auch darüber, was sich verbessert.

Zum Beispiel?

Karolin: Am Anfang waren Unsicherheit oder Fehler in der Feedbackkultur Riesenthemen für viele. Hier galt es, ein Stimmungsbild zu zeichnen und das auch dem Vorstand zu spiegeln. Zudem ging es darum, die Mitarbeitenden im Change-Prozess zu unterstützen. Bill Anderson als Vorstandsvorsitzender treibt DSO persönlich entscheidend voran, daher ist er auch sehr offen dem Format gegenüber. In einer Folge haben wir mit ihm über Orientierung auf dem Karriereweg im Zusammenhang mit DSO gesprochen. (Zur Folge)

Lukas, was hat dich an deiner neuen Aufgabe gereizt?

Lukas Rybka: Ich finde es extrem spannend, wie die verschiedenen Ebenen im Unternehmen mit den Veränderungen umgehen. Das zu erklären und transparent zu machen, hat mich gereizt. Wesentlich war außerdem – gerade für mich als HRler – wie DSO viele Menschen dazu gebracht hat, sich über ihre Karriere Gedanken zu machen. Viele sind in einem eher hierarchischen System groß geworden und haben sich gefragt: Was bedeuten die Veränderungen für mich?

Das ist natürlich auch für uns bei #30u30 eine spannende Frage: Wie lässt sich Karriere gestalten, wenn es die klassischen Steps und nicht mehr gibt? Immerhin sind Job-Titel und Karrierestufen nach wie vor gelernte Größen.

Lukas: Die Job-Titel an sich fallen ja nicht weg. Aber schon vor der Umstellung auf DSO war Bayer eine eher Skill-basierte Organisation. Das hat sich unter DSO verstärkt. Statt der nächsthöheren Karrierestufe geht es in Entwicklungsgesprächen eher darum: Was kannst du gut? Was möchtest du lernen? Wo kannst du deine Skills am besten einsetzen? Wir befinden uns da immer noch mitten im Wandel. Es geht jetzt darum, verstärkt daran zu erinnern, sich die richtigen Fragen zu stellen: Warum ist eine bestimmte Rolle oder ein bestimmtes Projekt spannend für mich? Inwiefern bringt es mich weiter? Was kann ich mitnehmen? Wo kann ich vielleicht den meisten Impact erzeugen?

Hast du dir diese Fragen vor DSO bewegt auch gestellt?

Lukas: Klar. Die Antwort? Ich kann zum einen meine Organisation besser kennenlernen. Aber ich übe mich auch in einer gewissen Medienpräsenz vor der Kamera – und ich lerne mehr über Kommunikation.

Das alles setzt einen hohen eigenen Antrieb und auch eine gewisse Eigeninitiative voraus. Gibt es auch Programme und Tools, die Mitarbeitende bei diesen Fragen unterstützen?

Lukas: Wir haben im Zuge von DSO den sogenannten Talent Marketplace eingeführt. Darüber werden Projekte angeboten, unabhängig von organisatorischen oder disziplinarischen Veränderungen. Ich könnte also als HR-Mitarbeiter 50 Prozent meiner Arbeitszeit auf einem Comms-Projekt arbeiten, das meine Fähigkeiten erfordert und wo ich gleichzeitig meine Fähigkeiten noch weiterentwickeln kann. Durch dieses Tool werden im Prinzip Möglichkeiten geschaffen, ohne viel bürokratischen Aufwand dahinter – einzige Voraussetzung ist natürlich die Abstimmung mit der Führungskraft. So wollen wir Mitarbeiter dazu ermutigen, schneller an Dingen mitzuarbeiten und Orte zu gehen, wo die Arbeit gebraucht wird – nach dem Grundprinzip einer agilen Organisation, in der man im Grunde keine Position hat, sondern eine Rolle mit variablen Aufgaben.

Könnt ihr dafür ein Beispiel nennen?

Karolin: In der Kommunikation arbeiten wir gerade daran, unsere Systeme für Webpage und Intranet zusammen zu legen. Damit gehen ganz viele Fragen einher, nicht nur kommunikativer, sondern gestalterischer und technischer Art. Dieses Projekt wurde ausgeschrieben über den Talent Marketplace, um interessierte Kollegen mit den passenden Skills zusammen zu bringen. Ein kleineres persönliches Beispiel ist unser Workstream für Media Relations. Das fand ich immer schon total spannend, aber bisher war kaum möglich, ohne viel Expertise und Netzwerk an diesem Bereich anzudocken. Heute leite ich gemeinsam mit einem Kollegen den Workstream für die externe DSO-Kommunikation – und wenn ich Unterstützung brauche, hole ich sie mir dazu. Ausprobieren, herausfinden, was einem liegt – darum geht es in der Dynamik von DSO.

Welche Rolle spielt Mentoring dabei?

Lukas: Es gibt einen schönen Spruch: Wenn Bayer wüsste, was Bayer weiß. Heißt: Es gibt immer jemanden, der sich schonmal eine ähnliche Frage gestellt hat wie man selbst. Also, ja: Mentoring war schon in der Vergangenheit wichtig und ist es auch weiterhin. Im Zuge von DSO haben wir den Peer-to-Peer-Austausch stärker in den Fokus gerückt und wollen hier auch noch einmal nachlegen. Dazu haben wir ein Tool ausgerollt, über das man sich Feedback geben kann, und zwar nicht nur von Vorgesetztem zu Mitarbeiter. Feedback ist einfach ein Geschenk, sowohl positives als auch negatives Feedback. Es hilft nicht nur dem Einzelnen, sich schneller zu verbessern, sondern mach auch die Organisation als Ganzes resilienter.

Karolin: Ich würde sogar sagen, dass es gar kein negatives Feedback gibt. Das hat mir auch der Austausch zwischen Lukas und mir unmittelbar nach den ersten Drehs gezeigt: Ehrlich, unkompliziert und mit dem Ziel, sich immer weiter zu verbessern.

Der Austausch zwischen Peers ist das eine. Wie sieht es in Punkto Weiterentwicklung mit den Themen Führung und Personalverantwortung aus?

Karolin: Wie gesagt: Job Descriptions und Führungspositionen gibt es nach wie vor. Es geht eher um ein grundsätzliches Verständnis davon, dass man auch ohne die klassischen Karrierestufen wachsen und Verantwortung übernehmen kann. Unser CEO sagt gerne, wir sollen denken wie Entrepreneurs. Das Bild gefällt mir.

Im Interview

Karolin Berg
Karolin Berg

Communications Manager Corporate & Brand Enablement

Karolin Berg startete als Volontärin bei Bayer und nahm unter anderem an einem Leadership-Programm des Konzerns bei. Gemeinsam mit Lukas Rybka ist sie das Gesicht des Projekts „DSO bewegt“.

Lukas Rybka
Lukas Rybka

Human Ressources Business Partner

Seit über sieben Jahren bei Bayer kam Lukas Rybka als HR-ler eher zufällig zur Moderation von „DSO bewegt“. Zusammen mit Co-Host Karolin Berg führte er es zum Erfolg. Das Comms-Projekt wurde bei den PR Report Awards in der Kategorie Corporate Media digital nominiert.

Verwandt

„Förderung bedeutet manchmal auch: Nicht sofort zu helfen.“

„Förderung bedeutet manchmal auch: Nicht sofort zu helfen.“

Bei hypr ist Maximillian Van Poele für die Unternehmensentwicklung und für die Führung neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verantwortlich. Außerdem hilft er CEOs auf Kundenseite bei der Positionierung. Als #30u30-Alumni weiß er, was es bedeutet, wenn jemand einem mehr zutraut als man sich selbst zutrauen würde. 

Du warst noch Student, als dich jemand bei #30u30 nominiert hat. Was hat das mit dir gemacht?

Die Nominierung kam mitten im Studium – aber ich war da schon mehrere Jahre bei hypr. Ich bin eher zufällig in die Kommunikationswelt gerutscht. Dass ich dann so früh nominiert wurde, war eine große Ehre. Es war ein Moment, in dem ich zum ersten Mal dachte: Vielleicht ist das hier wirklich mein Weg.

Du bist nach zweieinhalb Jahren bei hypr gegangen, warst selbständig und in einer Strategieberatung tätig. 2022 bist zu zu hypr zurückgekommen. Heute hast du eine Führungsrolle. Wie ist das passiert?

Nach dem Master wollte ich nochmal raus aus der Branche, Neues lernen. Die Zeit in der Strategieberatung war dafür genau richtig: Ich habe dort viel über Geschäftsmodelle, Zahlen und strategisches Denken gelernt. Gleichzeitig habe ich gemerkt: Ich bin im Herzen Kommunikator. Mit Sachar, dem Gründer von hypr, bin ich auch nach meinem Weggang immer in Kontakt geblieben. Als für mich klar wurde, dass ich zurück in die Kommunikation will, haben wir gesprochen. Und für mich war schnell klar: Ich will zurück zu hypr. Der Rest hat sich mit der Zeit ergeben und darüber bin ich sehr froh. Ich bin überzeugt, dass wir bei hypr ein Umfeld geschaffen haben, in dem sich starke Talente entwickeln können – weil hier Haltung, Anspruch und Menschlichkeit zusammenkommen.

Welche Rolle spielte in dieser Zeit die Verbindung zu Nico und #30u30?

Eine große. Nico ist jemand, den ich jederzeit anrufen kann, wenn ich nicht weiterweiß. Ich habe das auch ein paar Mal gemacht – zum Beispiel damals, als ich überlegt hatte, ob ich zurück zu hypr gehen soll. Und das Netzwerk ist Gold wert. Es tut einfach gut, sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Fragen haben oder diesen Prozess gar schonmal durchlaufen haben.

Welche Netzwerke waren für dich außerdem wichtig?

Definitiv der studentische Verein LPRS Ich habe in Leipzig meinen Master in Kommunikationsmanagement absolviert, und das ist dort der größte Kommunikationsverein. Dieses Netzwerk hat mir im Studium sehr geholfen und auch sonst tut es gut, zu wissen, dass es immer Leute gibt, mit denen man sich austauschen kann.

Wie schaust du heute als Führungskraft auf das Thema Förderung?

Ich glaube an die Balance aus Fordern und Fördern. Gute Führung heißt für mich, Räume zu schaffen, in denen Menschen wachsen können – fachlich und persönlich. Und manchmal bedeutet das: nicht sofort zu helfen, sondern auszuhalten, dass es schwer ist. Immer wieder sieht man als Führungskraft etwas in jemandem, das die Person selbst (noch) nicht sieht. Und genau darum geht es: an Menschen zu glauben – und ihnen manchmal mehr zuzutrauen, als sie sich selbst zutrauen würden. Genau das durfte ich selbst erleben: Ich bin sehr dankbar, dass mir jemand wie Sachar früh etwas zugetraut hat, das ich selbst noch nicht sehen konnte. Umso mehr möchte ich das heute an andere Talente weitergeben.

 

Talent im Interview

Maximilian Van Poele
Maximilian Van Poele

Chief Max Officer

Maximilian Van Poele war als Student bereits in den Anfangszeiten von hypr an Bord und gehört heute zur Führungsriege der Fully-Remote-Agentur. 2019 war Max teil der #30u30 Crew und gewann in diesem Rahmen den Titel Younng PR Pro des Jahres. 

Verwandt

„Plötzlich standen wir auf Bühnen und hielten Vorträge in ungewohnten Formaten.“

„Plötzlich standen wir auf Bühnen und hielten Vorträge in ungewohnten Formaten.“

Anja Heckendorf und Johannes Jerg gewannen 2024 den Titel Young PR Pros des Jahres. Aber nicht nur dieser Sieg hat sie als Kommunikationsprofis wachsen lassen. 

Wie hat sich eure Karriere seit der Nominierung bei #30u30 weiterentwickelt?

Seit unserer Nominierung haben wir vor allem drei Dinge gemerkt: mehr Sichtbarkeit, neue Netzwerke und persönliche Weiterentwicklung. Innerhalb und außerhalb unserer Unternehmen wurden wir stärker wahrgenommen – sei es im persönlichen Gespräch, bei Projekten oder externen Anlässen. Die Auszeichnung hat Türen geöffnet, sowohl durch Gespräche mit inspirierenden Menschen aus der Branche als auch durch den Austausch mit anderen #30u30-Alumni. Und nicht zuletzt hat sie uns aus der Komfortzone geholt: Plötzlich standen wir auf Bühnen, hielten Vorträge in ungewohnten Formaten und haben neue Erfahrungen gesammelt, die uns als Kommunikationsprofis wachsen lassen. Johannes durfte beispielsweise mit einem Vorstandsmitglied eine Award-Verleihung moderieren, bei dem herausragende Innovationen im Konzern gewürdigt wurden.

Inwiefern haben eure Teilnahme bei #30u30 und der Gewinn des Titels Young PR Pro des Jahres euch gepusht?

Vor allem hat sich unser Standing verändert. Wir treten mutiger auf, setzen uns größere Ziele und nehmen neue Herausforderungen noch bewusster an. Die Nominierung und der Award-Gewinn haben uns neue Möglichkeiten eröffnet: Speaker-Engagements, Event-Teilnahmen, Interview-Anfragen – alles Chancen, um unsere Perspektiven zu teilen und selbst weiterzulernen. So hat Anja bald die Möglichkeit, beim Kommunikationskongress eine Keynote zu halten. Doch das wohl Wertvollste war der Community-Effekt: #30u30 ist mehr als eine Auszeichnung – es ist ein Netzwerk von Talenten, die gemeinsam wachsen, sich austauschen und voneinander lernen.

Was möchtet ihr gerne in die Community zurückgeben?

Für uns ist klar: Erfolg ist nichts, was man für sich behält. Deshalb möchten wir jüngere Talente unterstützen – sei es durch Mentoring, Austausch oder einfach ehrliche Einblicke in die Branche. Dazu gehört auch, nicht nur über Erfolge zu sprechen, sondern auch über Herausforderungen. Das geht bei uns beiden los – wir tauschen uns regelmäßig privat und beruflich aus – und setzt sich bei Netzwerktreffen fort. Denn Kommunikation verändert sich rasant, und wir sehen es als unsere Verantwortung, diese Veränderung mitzugestalten – durch den Einsatz für kluge Kommunikation, neue Werkzeuge und mutige Botschaften. Dieses Netzwerk bildet nicht nur eine Grundlage zur beruflichen Weiterentwicklung, sondern einen Austausch weit darüber hinaus.

Talente im Interview

Anja Heckendorf
Anja Heckendorf

Director Corporate and Divisional Communications bei EnBW

Mit Erfahrung in Politik- und Unternehmenskommunikation trat Anja Heckendorf 2023 bei dem Traditionskonzern Herrenknecht an, um die Corporate Comms voranzutreiben. 2026 wechselte sie zu EnBW.

Johannes Jerg
Johannes Jerg

Head of External Communications bei Rolls-Royce Power Systems

Johannes Jerg brennt nicht nur für Kommunikation, sondern auch für Musik: Als Schlagzeuger beim Landesblasorchester  Baden-Württemberg gewann er sogar schon Preise. Teil der 30u30-Crew wurde er in seiner Zeit als Pressesprecher bei ZF. Seit 2025 ist er bei Rolls Royce Power Systems an Bord. 

Verwandt

„Es ist so wichtig, dass Unternehmen respektvoll und menschlich mit ihren Agenturen umgehen.“

„Es ist so wichtig, dass Unternehmen respektvoll und menschlich mit ihren Agenturen umgehen.“

Larissa Rosellen startete auf Agenturseite ins Berufsleben und arbeitet heute bei Burson. Gefunden hat sie ihren Platz nach einem kurzen Intermezzo mit der Unternehmenskommunikation.
„Meine Zwischenstopps auf Unternehmensseite waren sehr lehrreich in vielerlei Hinsicht. Zum einen habe ich für mich gemerkt, dass mir die Möglichkeit der persönlichen Entfaltung und die Flexibilität, dort zu arbeiten, wo ich es am besten kann, sehr wichtig sind. Zum anderen, wie unabdingbar das richtige Team ist. Zusammenhalt, Sympathie und Spaß sind die Grundbausteine für funktionierendes Teamwork.

Agenturen sind mehr eine Werkbank

Außerdem habe ich gemerkt, wie wichtig Agenturen für Unternehmen sind und dass es noch wichtiger ist, als Unternehmen mit seinen Agenturen respektvoll und menschlich umzugehen. Auch wenn Agenturen gerne als „Werkbank“ genutzt werden, so darf man nie vergessen, dass dort überaus engagierte und kreative Menschen am Werk sind. Ich denke, dass die Kommunikation zwischen Unternehmen und Agenturen oftmals noch verbessert werden kann und dadurch noch bessere Resultate entstehen würden. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Letztendlich bin ich sehr glücklich, erneut in die Welt der Agentur eingetaucht zu sein und ich hoffe, dass ich noch vielen Kund:innen helfen kann, ihre Ziele zu erreichen. Mit Herz und Können.

Menschen und Visionen zusammenbringen

Ich persönlich möchte als Account Director bei Burson meine Rolle weiter festigen und mit meinem herausragend Team Kund:innen gewinnen und weitere Kommunikationsabenteuer erleben. Langfristig hätte ich Spaß an einer strategischen, leitenden Position, da ich Menschen gerne in ihren Visionen zusammenbringe und verbinde.“

Talent im Interview

Larissa Rosellen
Larissa Rosellen

Account Director bei Burson

Larissa Rosellen absolvierte ein Traineeprogramm bei Fischer Appelt Realtions und stieg dann bei Team Lewis ein. Von 2023 bis 2024 arbeitet sie bei Aldi Nord und Deutsche Postcode Lotterie. Seit März 2024 ist sie bei Burson an Bord.

Verwandt