Als Njoga Jalango 2023 nach Deutschland kam, ließ er seine Heimat Kenia und eine Karriere im Journalismus hinter sich. Über das AFRIKA KOMMT!-Fellowship kam er zu SAP und arbeitet heute als Editorial Coordinator in der Global Public Relations.
„Man muss nicht den ganzen Weg kennen.“
Als Njoga Jalango 2023 nach Deutschland kam, ließ er seine Heimat Kenia und eine Karriere im Journalismus hinter sich. Über das AFRIKA KOMMT!-Fellowship kam er zu SAP und arbeitet heute als Editorial Coordinator in der Global Public Relations.
Du hast deine Karriere als Journalist in Kenia begonnen und arbeitest heute in der Global Public Relations von SAP in Deutschland. Was waren die wichtigsten Stationen und Entscheidungen auf diesem Weg?
Schreiben war immer das, was mich am meisten interessiert hat. Ich habe als Gerichts- und Polizeireporter für eine Zeitung in Kenia begonnen, später über Menschen, Start-ups geschrieben und schließlich auch für Fernsehen und Radio gearbeitet. Über die Start-up-Szene kam ich zunehmend mit Technologiethemen in Berührung. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich meinen Horizont über den Journalismus hinaus erweitern möchte. Ich kannte die Medienwelt gut, hatte aber das Gefühl, dass es darüber hinaus noch viel mehr gibt. Über LinkedIn bin ich auf das AFRIKA KOMMT!-Fellowship aufmerksam geworden, das SAP und weitere deutsche Unternehmen gemeinsam anbieten. Ich habe das Programm zunächst einige Monate verfolgt und mich schließlich beworben. Im Sommer 2023 kam die Zusage – damit begann für mich die Reise nach Deutschland.
2023 bist du für das AFRIKA KOMMT!-Fellowship nach Deutschland gekommen. Woher kam der Mut für diesen Schritt – und was wolltest du aus dieser Erfahrung mitnehmen?
Rückblickend wirkt es wie ein großer Sprung. Damals hat es sich aber gar nicht mutig angefühlt. Es war einfach der nächste logische Schritt. Der Journalismus hatte sich nach der Pandemie stark verändert. Redaktionen wurden kleiner, Werbeeinnahmen gingen zurück, und ich habe mich gefragt, wie meine berufliche Zukunft aussehen könnte. Ich hatte mich bereits auf verschiedene Programme und Stipendien beworben. Als ich auf das Fellowship gestoßen bin, passte es genau zu dem, wonach ich gesucht habe. Mich hat vor allem die Möglichkeit gereizt, in einem globalen Unternehmen zu arbeiten und etwas völlig Neues zu lernen. Ich habe weniger darüber nachgedacht, was ich zurücklasse, sondern vielmehr darüber, worauf ich zugehe. Ich wollte neue berufliche Fähigkeiten entwickeln, mehr Selbstvertrauen gewinnen und mich in einem Umfeld beweisen, das mich jeden Tag fordert.
Wie war das AFRIKA KOMMT!-Programm aufgebaut und welche Bestandteile haben dich besonders geprägt?
Das Fellowship begann mit drei Monaten in Bonn. Dort haben wir Deutsch am Goethe-Institut gelernt, uns mit der deutschen Geschichte und Kultur beschäftigt und gleichzeitig mit Fellows aus 14 afrikanischen Ländern zusammengelebt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil war das internationale Managementtraining. Dort ging es um interkulturelle Zusammenarbeit, Kommunikation, Networking und den Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven. Anschließend begann die Unternehmensphase bei SAP. Über das gesamte Jahr hinweg gab es weitere Workshops, Unternehmensbesuche und gemeinsame Reflexionen. Rückblickend hat mich das Programm nicht nur fachlich weitergebracht. Es hat mir geholfen, Beziehungen aufzubauen, mich in neuen Situationen zurechtzufinden und globaler zu denken.
Was waren die größten persönlichen und beruflichen Herausforderungen, als du in einem neuen Land und einer neuen Arbeitskultur angefangen hast?
Persönlich war zunächst alles neu: die Sprache, die Kultur und der Alltag. Selbst scheinbar einfache Dinge wie Einkaufen oder zu verstehen, dass sonntags vieles geschlossen ist, waren Teil dieses Lernprozesses. Beruflich bestand die größte Herausforderung darin, wieder Anfänger zu sein. Im Journalismus wusste ich genau, was ich tue. Bei SAP habe ich ein völlig neues Berufsfeld betreten und musste fast alles von Grund auf lernen. Das bedeutete auch, Unsicherheit auszuhalten und zu akzeptieren, nicht derjenige mit den meisten Antworten im Raum zu sein. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich genau unter diesen Bedingungen am meisten lerne.
Nicht nur das kulturelle Umfeld war neu. Während des Fellowships hast du bei SAP auch erstmals die Kommunikation eines internationalen Technologiekonzerns kennengelernt. Was hat dich dabei am meisten überrascht?
Am meisten überrascht hat mich die Dimension von Kommunikation. Im Journalismus geht es vor allem darum, eine Geschichte möglichst schnell zu veröffentlichen. In einem globalen Unternehmen ist Kommunikation viel stärker ein gemeinschaftlicher Prozess. Viele unterschiedliche Stakeholder müssen eingebunden werden, jede Aussage wird sorgfältig geprüft und man überlegt sehr genau, wen eine Botschaft erreicht und welche Auswirkungen sie haben könnte. Mir wurde außerdem bewusst, welche Verantwortung Unternehmenskommunikation trägt. Zum Beispiel hatte ich vorher nie darüber nachgedacht, dass eine Veröffentlichung Auswirkungen auf Investoren oder sogar auf den Aktienkurs haben kann. Das hat meine Sicht auf Kommunikation grundlegend verändert.
Du hast einmal gesagt, dass du erst weit außerhalb deiner Komfortzone eine neue Perspektive gewonnen hast. Wie hat diese Erfahrung deine Arbeitsweise ganz konkret verändert?
Meine Komfortzone war der Journalismus, weil ich mich dort auskannte. Der Umzug nach Deutschland bedeutete, wieder ganz von vorne anzufangen. Ich habe gelernt, mich mit dieser Unsicherheit wohlzufühlen. Heute fällt es mir deutlich leichter, unbekannte Situationen anzunehmen, weil ich weiß, dass genau dort Entwicklung stattfindet. Auch die Art, wie ich zuhöre, hat sich verändert. Als Journalist hört man zu, um eine Geschichte zu erzählen. In der Kommunikation höre ich zu, um wirklich zu verstehen: Was ist die Kernbotschaft? Wie passt sie zur Strategie? Welche Auswirkungen hat sie auf unterschiedliche Zielgruppen? Ich höre zu, um zu lernen – und um komplexe Themen so aufzubereiten, dass sie für andere verständlich und greifbar werden.
Nach dem Fellowship hast du dich entschieden, bei SAP zu bleiben. Warum?
Persönlich habe ich mich in Walldorf schnell wohlgefühlt. Nach dem lebhaften Nairobi habe ich die Ruhe hier sehr geschätzt. Beruflich wurde mir während des Fellowships klar, wie vielfältig Kommunikation in einem internationalen Unternehmen ist. Ich habe Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Teams kennengelernt – aus den Media Relations, der Analyst Relations oder der internen Kommunikation. Erst dadurch wurde mir bewusst, wie viele Entwicklungsmöglichkeiten dieses Berufsfeld bietet. Ich musste mich nach dem Fellowship noch einmal regulär bewerben. Aber SAP bot mir die Chance, weiterzulernen. Deshalb fühlte es sich ganz selbstverständlich an, nach dem Ende des Programms zu bleiben.
Heute arbeitest du als Editorial Coordinator in der SAP Global Public Relations. Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ein großer Teil meiner Arbeit besteht aus redaktioneller Koordination. Ich betreue unter anderem den Daily News Digest, arbeite an Medienauswertungen, unterstütze die Redaktionsplanung und begleite Kommunikationsprojekte von der ersten Abstimmung bis zur Veröffentlichung. Dafür arbeite ich mit vielen verschiedenen Stakeholdern zusammen, koordiniere Freigaben mit Legal, Brand und anderen Teams und sorge dafür, dass Inhalte korrekt, abgestimmt und zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht werden. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist das Lernen. Durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Teams bekomme ich ständig neue Einblicke.
Was begeistert dich an redaktioneller Arbeit und Storytelling in einer globalen Organisation?
Am meisten schätze ich das Lernen durch Zusammenarbeit. An jeder Geschichte arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichem Fachwissen zusammen. Ich selbst bin kein Technologieexperte. Deshalb höre ich meinen Kolleginnen und Kollegen sehr genau zu und versuche zunächst zu verstehen, bevor ich komplexe Themen so aufbereite, dass sie für andere verständlich und greifbar werden.
Welche Menschen, Erfahrungen oder Haltungen haben dich auf deinem Weg besonders geprägt?
Mehrere Führungskräfte haben mich darin bestärkt, Neues auszuprobieren und mich nicht auf das zu beschränken, was ich bereits kannte. Das war wichtig, weil der Wechsel nach Deutschland und in einen neuen Beruf bedeutete, vieles hinter mir zu lassen. Auch bei SAP habe ich ein Umfeld erlebt, in dem Fragen ausdrücklich erwünscht sind. Eine Erkenntnis ist mir besonders geblieben: Es ist völlig in Ordnung zu sagen: „Darauf komme ich noch einmal zurück.“ Lieber nimmt man sich Zeit, etwas wirklich zu verstehen, als vorschnell eine Antwort zu geben.
Und wie beeinflussen deine Herkunft und deine berufliche Erfahrung in Kenia andererseits die Kommunikationsarbeit von SAP?
Ich glaube, ich bringe vor allem eine andere Perspektive mit. Zum einen aufgrund meiner Herkunft, zum anderen, weil ich über den Journalismus in die Kommunikation gekommen bin und keinen klassischen Kommunikationsweg gegangen bin. Dadurch betrachte ich viele Themen zunächst aus der Perspektive eines Lernenden. Ich bin neugierig und stelle viele Fragen. Gleichzeitig fühle ich mich auch in Situationen wohl, in denen noch nicht alles feststeht. Gerade in einer Zeit, in der sich Technologien ständig verändern, ist das eine wichtige Fähigkeit.
Du betonst immer wieder, wie wichtig Zusammenarbeit und Lernen im Arbeitsalltag für dich sind. Gibt es ein Projekt oder eine Erfahrung, die dich besonders geprägt hat?
Gerade die Arbeit in den Media Relations hat mich stark weitergebracht, weil nahezu jedes Projekt Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Teams erfordert. Ich arbeite regelmäßig mit Kolleginnen und Kollegen aus Legal, Brand, Redaktion und mit externen Partnern zusammen. Jede Veröffentlichung durchläuft mehrere Freigaben. Erst dadurch habe ich verstanden, wie komplex und gleichzeitig verantwortungsvoll globale Kommunikation ist. Im Grunde war jedes Projekt eine Gelegenheit, von Menschen zu lernen, die in ihrem jeweiligen Fachgebiet deutlich mehr Erfahrung haben als ich.
Wenn du heute auf deinen Weg von Kenia nach Deutschland und zu SAP zurückblickst: Was hast du über Karriere gelernt, wenn der Weg nicht planbar ist?
Ich habe gelernt, dass Unsicherheit nichts ist, wovor man Angst haben muss. Als ich Kenia verlassen habe, wusste ich nicht, wohin mich dieser Weg führen würde. Entscheidend war nicht, den gesamten Plan zu kennen, sondern bereit zu sein, immer weiter zu lernen und wieder Anfänger zu werden. Jede neue Situation wurde zu einer Chance. Man muss nicht den ganzen Weg kennen. Entscheidend ist, bereit zu sein, unterwegs immer weiter zu lernen.
Talente bei SAP

Njoga Jalango
Editorial Coordinator
Njoga Jalango war Journalist in Kenia, bevor er über das Programm „Afrika kommt“ zu SAP nach Walldorf kam. Seit Januat 2025 ist er fest an Bord und im Bereich Global Public Relations tätig.
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Paula Accordi war 2023 Teil der #30u30-Crew. Die Auszeichnung sieht sie als Wertschätzung, viel wichtiger sei aber das Netzwerk, das damit verbunden ist. Als Alumna hat sie die Initiative zu SAP geholt, unserem Host für das Camp 2026. Im Interview spricht Paula über ihren Werdegang und darüber, wie es ist, mit einem Comms-Promi wie Monika Schaller zusammen zu arbeiten.


