Paula Accordi war 2023 Teil der #30u30-Crew. Die Auszeichnung sieht sie als Wertschätzung, viel wichtiger sei aber das Netzwerk, das damit verbunden ist. Als Alumna hat sie die Initiative zu SAP geholt, unserem Host für das CAmp 2026. Im Interview spricht Paula über ihren Werdegang und darüber, wie es ist, mit einem Comms-Promi wie Monika Schaller zusammen zu arbeiten.
Paula, du hast 2020 deinen Master in Hohenstein gemacht und bist heute Executive Business Assistant von SAP-Chefkommunikteurin Monika Schaller. Wie bist du über die Jahre persönlich und beruflich gewachsen?
Nach mehreren Werkstudententätigkeiten in der Marketing- und Kommunikationsbranche bin ich eher zufällig in der politischen Kommunikation gelandet. Eigentlich hatte ich nach dem Master einen anderen Plan, aber nachdem ein Übernahmeangebot für mich nicht gepasst hat, habe ich mich neu orientiert und bin schließlich in der Pressestelle einer Regierungsfraktion im Landtag von Baden-Württemberg gestartet. Dort konnte ich Kommunikation von der Pike auf lernen. Die Themen haben täglich gewechselt, von Fachthemen aller Ministerien bis hin zu Krisensituationen. Gleichzeitig durfte ich sehr früh Verantwortung übernehmen, in der Landespressekonferenz sitzen und sogar eine große Pressekonferenz der Regierungsfraktionen moderieren. Das hat mir fachlich viel gegeben, vor allem aber Selbstvertrauen. Ich habe gelernt, mich auch in Situationen einzubringen, die zunächst größer wirkten als ich selbst.
Warum der Wechsel in die Wirtschaft?
Mich hat die Möglichkeit gereizt, Kommunikation in einem anderen Umfeld kennenzulernen und langfristiger an Themen zu arbeiten. So bin ich erstmals in die Executive Communications gewechselt und durfte für die CEO einer VW-Softwaretochter arbeiten. Dort habe ich viel darüber gelernt, wie Führungskommunikation funktioniert, wie man Führungspersönlichkeiten positioniert und wie eng Kommunikation mit strategischen Unternehmensentscheidungen verbunden ist. Die Zusammenarbeit mit Vorständen und Aufsichtsräten war damals eine völlig neue Erfahrung für mich. Mit SAP kamen dann noch einmal neue Perspektiven dazu. Erst in der CEO-Kommunikation und später in meiner heutigen Rolle habe ich den Beruf des Kommunikators aus unterschiedlichsten Blickwinkeln kennengelernt – intern, extern, strategisch und international. Rückblickend würde ich sagen, dass mich vor allem die Bereitschaft weitergebracht hat, Chancen zu ergreifen, auch wenn ich nicht immer genau wusste, was mich erwartet. Mein Motto war dabei oft: auf ins kalte Wasser. Das heißt nicht, dass ich keine Zweifel hatte. Die hatte ich definitiv. Aber ich habe gelernt, dass man meist dann am meisten wächst, wenn man sich auf Neues einlässt.
Inwiefern hat dich deine Auszeichnung bei 30u30 dabei geprägt?
Die Auszeichnung selbst war eine große Wertschätzung, aber noch wichtiger war für mich das Netzwerk, das damit verbunden ist. Durch 30u30 habe ich viele Menschen kennengelernt, die die Kommunikationsbranche in den kommenden Jahren mitgestalten werden und ähnliche Herausforderungen und Ambitionen mitbringen. Gerade in meiner aktuellen Rolle habe ich beobachten können, wie wichtig belastbare Netzwerke für erfolgreiche Kommunikation sind. Kommunikation ist und bleibt ein People’s Business. Natürlich wird KI viele Prozesse verändern und unseren Job effizienter machen. Aber was bleibt, sind Vertrauen, persönliche Beziehungen und der direkte Austausch mit Menschen. Deshalb bin ich sehr dankbar, früh ein Netzwerk aufgebaut zu haben, mit dem man gewissermaßen gemeinsam “groß wird”, voneinander lernt und sich gegenseitig unterstützt.
Was würdest du heute anders machen als vor fünf Jahren?
Ich wäre wahrscheinlich weniger ängstlich und in manchen Situationen etwas gelassener. Mit etwas mehr Berufs- und Lebenserfahrung merkt man, dass sich vieles fügt und nicht jede Herausforderung sofort eine Krise ist. Vor fünf Jahren habe ich mich deutlich schneller stressen lassen und vieles länger mit mir herumgetragen. Heute gelingt es mir besser, einmal durchzuatmen und Dinge erstmal einzuordnen, oder auch einfach sofort ad acta zu legen. Ich habe gelernt, dass gute Entscheidungen oft dann entstehen, wenn man nicht sofort in den Stressmodus verfällt. Und für den Blutdruck ist das auch gesünder 😉
Was sind deine Aufgaben in deiner jetzigen Rolle?
Meine Aufgaben sind so vielfältig, wie Kommunikation eben sein kann. Ich unterstütze Monika Schaller bei strategischen Projekten, vertrete sie in in unterschiedlichen Initiativen, bereite Entscheidungsgrundlagen vor und bin verantwortlich für ihre eigene Positionierung, von externen Interviews und Auftritten bis hin zu Social Media. Außerdem leite ich bei uns in der Kommunikationsabteilung mit einer Kollegin unser KI-Transformations-Projekt.
Was ich an der Rolle besonders mag, ist die Nähe zu ganz unterschiedlichen Themen. An einem Tag geht es um die Vorbereitung eines Auftritts von Monika, am nächsten begleitet man eine Pressekonferenz oder sitzt in einem Projekt, das die Kommunikation weltweit betrifft. Ich durfte in den vergangenen Jahren internationale Reisen begleiten, Kolleginnen und Kollegen und Journalistinnen und Journalisten in unterschiedlichen Märkten kennenlernen und erleben, wie unterschiedlich Kommunikation funktionieren kann. Gerade diese Abwechslung macht den Reiz der Rolle für mich aus.
Deine Chefin gilt als eine der prominentesten Kommunikatorinnen in Deutschland. Wie ist es, mit ihr zu arbeiten?
Vor allem bin ich sehr dankbar, dass ich die vergangenen Jahre so eng mit ihr zusammenarbeiten durfte. Ich glaube, ich habe von Monika vor allem gelernt, wie wichtig Gelassenheit ist. Gerade in unserem Beruf gibt es immer wieder Situationen, in denen viel Druck entsteht. Zu sehen, wie ruhig und pragmatisch sie damit umgeht, hat mich definitiv geprägt. Außerdem hat sie mir gezeigt, wie wichtig ein belastbares Netzwerk ist. Es gibt eigentlich keine relevante Handynummer, die sie nicht eingespeichert hat. 😉 Ich habe auch gelernt, dass man trotz aller Verantwortung den Spaß an der Sache nicht verlieren sollte. Sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und Humor zuzulassen, ist etwas, das ich mir für meinen eigenen Weg unbedingt mitnehmen möchte. Gleichzeitig ist mir wichtig, meine eigene Person zu bleiben. Ich nehme viele Learnings mit, möchte daraus aber meinen eigenen Stil entwickeln und meinen eigenen Weg gehen.
Was sind die größten Herausforderungen?
Eine der größten Herausforderungen war für mich tatsächlich, Resilienz zu entwickeln. In einer Rolle, in der viel gleichzeitig passiert und oft unter Zeitdruck gearbeitet wird, muss man lernen, Prioritäten zu setzen und Dinge richtig einzuordnen. Das konnte ich vor diesem Job noch nicht so gut wie jetzt nach 3 Jahren. Zu der Rolle gehört auch, den eigenen Kollegen schwierige Entscheidungen zu erklären oder mit Enttäuschungen umzugehen, wenn Vorhaben nicht umgesetzt werden können. Das sind nicht immer die angenehmsten Situationen. Gleichzeitig habe ich gerade in diesen Situationen am meisten über Führung gelernt – sowohl fachlich als auch persönlich.
Was sind deine Ziele?
Ich versuche, nicht jeden Karriereschritt Jahre im Voraus durchzuplanen. Natürlich habe ich Ambitionen und Ziele. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass oft die spannendsten Chancen diejenigen sind, die man vorher gar nicht auf dem Radar hatte. Deshalb möchte ich neugierig bleiben, dazulernen und offen sein für neue Herausforderungen, die auf mich zukommen.
Talente bei SAP

Paula Accordi
Senior Specialist Corss Communication Projects
Paula Accordi war 2023 Teil der #30u30-Crew. Im selben Jahr hatte sie bei SAP gestartet. Heute unterstützt sie unsere Initiative als Alumna.
Verwandt
„Man muss nicht den ganzen Weg kennen.“
Als Njoga Jalango 2023 nach Deutschland kam, ließ er seine Heimat Kenia und eine Karriere im Journalismus hinter sich. Über das AFRIKA KOMMT!-Fellowship kam er zu SAP und arbeitet heute als Editorial Coordinator in der Global Public Relations.
