PR-Millenials: Wie zufrieden sind sie mit Job und Karriere?
Für die zweite Auflage der Studie "Die Macherinnen und Macher von morgen" haben 250 #30u30-Alumni Fragen zu Karriereentwicklung und Zufriedenheit im Job beantwortet.
Studie: Die Macherinnen und Macher von Morgen 2.0. Wie fühlen sie sich im Job? Wie gehen Sie mit Remote Work um? Wie viel Engagement und Commitment bringen sie auf und wie viel soziale Unterstützung erfahren sie? Wie empfinden sie Autonomie und Stress im Arbeitsalltag?
Diese Fragen beantwortet die zweite Auflage der Studie „Die Macherinnen und Macher von morgen“, die #30u30 zusammen mit dem Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Uni Leipzig durchgeführt hat. Studienmacherin Sarah Willer hat die fünf wichtigsten Thesen für euch kommentiert.
Zum Hintergrund: Befragt wurden 249 PR- und Kommunikations-Professionals der vergangenen zwölf #30u30-Jahrgänge. Daraus ergibt sich eine Altersspanne von 24 bis 36 Jahren und ein Altersdurchschnitt von 33. Die meisten Befragten arbeiten in Unternehmen, gefolgt von Beratungsfirmen. Zwei beziehungsweise vier Prozent sind bei NGOs b beziehungsweise Öffentlichen Einrichtungen beschäftigt, ebenfalls vier Prozent sind Freelancer.
Die erste Auflage der Studie von 2020 basiert auf Daten von vor der Corona-Pandemie. Das Thema Remote Work ist daher in der aktuellen Auflage neu. Die Ergebnisse zeigen, dass Remote Work für nahezu alle Befragten Bestanteil des Joballtags ist – und zwar unabhängig von der Hierarchiestufe: 44,5 Prozent der Befragten in leitenden Positionen geben eine „mittlere“ und 20,2 Prozent eine „hohe“ Anzahl an Remote Stunden an. Bei Teammitgliedern sagen 53,7 Prozent, dass sie eine „mittlere“ Anzahl an Stunden remote arbeiten, bei fast 14 Prozent ist es eine „hohe“ anzahl. In Agenturen und Unternehmen können sich Mitarbeitende dazu in den meisten Fällen oft oder immer frei entscheiden, von welchem Ort aus sie arbeiten, NGOs und Behörden sind diesbezüglich nicht ganz so flexibel.
Sarah Willer: Unsere Studie zeigt, dass Millennials in der PR-Branche bereits über eine beachtliche Freiheit bei der Wahl ihres Arbeitsortes verfügen – 43 Prozent entscheiden immer frei, 45 Prozent oft. Diese Freiheit ist für sie wichtig, und es ist wahrscheinlich, dass sie diese auch in Zukunft nicht aufgeben möchten.
Millennials haben andere Prioritäten als frühere Generationen. Sie haben gesehen, wie ihre Eltern oft unter langen Arbeitszeiten und einem unausgewogenen Verhältnis zwischen Beruf und Privatleben gelitten haben, und sind häufig weniger bereit, ihr Leben nur auf den Job auszurichten. Stattdessen bevorzugen sie Arbeitsmodelle, die ihre persönliche Lebensgestaltung unterstützen – dazu gehört auch die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten.
Flexibilität bedeutet dabei nicht, das Büro vollständig abzulehnen. Millennials legen Wert auf den sozialen Austausch am Arbeitsplatz: Ein unterstützendes Team fördern ihr Wohlbefinden und ihre Motivation. Gleichzeitig ist ihnen aber wichtig, ihre Arbeitsweise aktiv mitgestalten zu können, um eine Balance zwischen beruflichen und privaten Zielen zu erreichen.
Es ist daher wahrscheinlich, dass Back-to-Office-Initiativen, die auf vollständige Präsenz setzen, auf Widerstand stoßen könnten – nicht aus Ablehnung des Büros, sondern weil sie als Rückschritt in eine Arbeitskultur empfunden werden, die ihre Flexibilität und Eigenständigkeit einschränkt. Unternehmen, die Millennials langfristig binden möchten, sollten daher auf hybride Modelle setzen, die sowohl die soziale Komponente der Arbeit fördern als auch den Wunsch nach Autonomie respektieren.
Zufriedenheit im Job bei Millennials in nicht-leitenden Positionen ist im Vergleich zur Studie 2020 gestiegen – während damals 67,6 Prozent der Befragten angaben, sehr zufrieden mit ihrem aktuellen Job zu sein, sind es nun 81,3 Prozent. Nur 16,3 Prozent sind teils zufrieden, 2,4 Prozent kaum. Bei Führungspersonen ist die hohe Zufriedenheit mit fast 85 Prozent noch höher – hier lag sie aber auch 2020 schon bei über 80 Prozent. Auch über Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierewege können sich Millennials offenbar nicht beklagen, wobei die Zufriedenheit mit dem Hierarchielevel steigt.
Sarah Willer: Ein wesentlicher Grund für die gestiegene Zufriedenheit könnte auch hier die neu gewonnene Freiheit durch die Flexibilität bei der Wahl des Arbeitsorts sein. Die Millennials können heute selbst entscheiden, ob sie im Büro oder lieber von zu Hause aus arbeiten. Diese Freiheit kommt gut an: Sie reduziert nicht nur Pendelzeiten, sondern hilft auch dabei, berufliche Aufgaben besser in das persönliche Leben zu integrieren – was womöglich zu einer gesteigerten Zufriedenheit führt.
Gerade in einer Lebensphase, die oft als „Rush Hour des Lebens“ bezeichnet wird, in der viele Millennials berufliche Ambitionen mit familiären und persönlichen Verpflichtungen vereinbaren müssen, spielt diese Flexibilität eine entscheidende Rolle. Die Möglichkeit, Arbeit und Freizeit nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten, hilft, die oft hohe Belastung durch Familie, Partnerschaft und Job zu bewältigen. In dieser Lebensphase, in der viele mit Familienplanung oder -gründung konfrontiert sind, ist die Balance zwischen Beruf und Privatleben besonders wichtig. Flexible Arbeitsmodelle ermöglichen es, berufliche Ambitionen zu verfolgen, ohne andere Lebensbereiche zu vernachlässigen.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Millennials in der PR-Branche ein bemerkenswert hohes Engagement aufweisen.Damit sind Millennials in der Branche nicht nur aktiv involviert, sondern empfinden ihre Arbeit als sinnstiftend und motivierend. Auch das organisationale Commitment, also die Bindung an den Arbeitgeber, ist hoch. Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) identifizieren sich stark mit ihrer Organisation. Besonders hervorzuheben ist, dass die Aussage „Ich bin bereit, mich mehr als nötig zu engagieren, um zum Erfolg der Organisation beizutragen“ mit einem Durchschnittswert von 4,36 von 5 Punkten die größte Zustimmung erhielt. Dennoch gibt es Differenzen: Während Millennials durchaus ein hohes Maß an Engagement zeigen, sind sie weniger bereit, jede Veränderung oder Einschränkung ihrer Tätigkeit hinzunehmen. Die Bereitschaft, jede Art von Veränderung ihrer Tätigkeit zu akzeptieren, wurde in der Studie mit einem Durchschnittswert von nur 1,89 bewertet.
Sarah Willer: Zunächst einmal finde ich es schon bemerkenswert, dass nur 4 Prozent der Befragten ein geringes Maß an Arbeitsengagement berichten. Natürlich muss man berücksichtigen, dass die Stichprobe durch die #30u30-Initiative tendenziell engagierte Personen umfasst. Trotzdem ist das ein hoher Wert, insbesondere bei den leitenden Millennials, die noch einmal stärker involviert sind. Das zeigt, dass Führungskräfte in der PR-Branche nicht nur Verantwortung übernehmen, sondern sich auch stärker mit ihrer Arbeit identifizieren.
Auch beim organisationalen Commitment zeigt sich ein spannendes Bild: Millennials wird oft nachgesagt, sie seien weniger loyal gegenüber Arbeitgebern als frühere Generationen und würden sich schnell nach neuen Optionen umsehen. Doch die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass diese Generation sehr wohl eine starke Bindung zu ihrem Unternehmen entwickeln kann – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Besonders interessant ist dabei, dass Millennials trotz hoher Flexibilität in der Arbeitsplatzgestaltung eine starke Identifikation mit ihrem Arbeitgeber haben. Oft wird angenommen, dass ortsunabhängiges Arbeiten die Verbindung zur Organisation schwächt. Die Studie zeigt jedoch, dass genau das nicht der Fall ist: Millennials empfinden eine hohe Verbundenheit zu ihrem Unternehmen, auch wenn sie nicht täglich physisch vor Ort sind.
Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass sie diese Bindung nicht um jeden Preis aufrechterhalten. Dass nur wenige bereit wären, jede Veränderung oder Einschränkung in ihrer Arbeit einfach hinzunehmen, zeigt, dass sie genau wissen, welche Bedingungen sie für produktives und zufriedenes Arbeiten brauchen. Ein hohes Commitment bedeutet für sie nicht, unkritisch jede Entscheidung des Arbeitgebers mitzutragen.
Für Unternehmen bedeutet das: Millennials können ein hohes Maß an Engagement und Identifikation aufbringen – wenn die Bedingungen für sie stimmen. Sie schätzen es, sich aktiv einbringen zu können, erwarten aber auch, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. Wer diese Generation langfristig binden möchte, sollte nicht nur attraktive Entwicklungsmöglichkeiten bieten, sondern auch sicherstellen, dass sie ihre Arbeitsweise mitgestalten können.
Mehr als die Hälfte der befragten Personen empfinden im Berufsalltag nur wenig Stress. 11 Prozent haben dagegen ein hohes Stressempfinden. Zum Vergleich: 2020 war das Stressempfinden unter Millennials in der PR noch deutlich höher. Die Studie zeigt auch, dass dem niedrigen Stressempfinden ein hoher Grad an Autonomie zugrunde liegt: 80 Prozent sagen, dass sie viel Freiheit bei der Gestaltung ihres Arbeitsalltags haben. Den höchsten Grad an Automonie haben dabei Mitarbeitende in Agenturen, Beratungen und NGOs.
Sarah Willer: Auch wenn diese Faktoren nicht explizit in beiden Studien abgefragt wurden, lassen sich aus dem bisherigen Forschungsstand ein paar Rückschlüsse und Zusammenhänge ziehen, die diese Entwicklung ein bisschen nachvollziehbarer machen können.
So hängt das gesunkene Stressempfinden unter Millennials in der PR-Branche womöglich mit der genannten Autonomie zusammen, die viele von ihnen bei der Gestaltung ihres Arbeitsalltags verstärkt genießen. Die Möglichkeit, selbstbestimmt an einem freigewählten Ort zu arbeiten, reduziert den Druck, den starre Strukturen und ein eng getakteter Berufsalltag häufig erzeugen.
Darüber hinaus könnte eine Rolle spielen, dass Remote-Arbeitsmodelle nicht nur mehr Autonomie bieten, sondern auch positive Effekte auf das emotionale Wohlbefinden haben. Viele Millennials müssen heute beispielsweise nicht mehr für ihren Job zwangsweise umziehen, sondern können an Orten leben, die besser zu ihrer aktuellen Lebensphase passen – sei es näher bei der Familie, in Städten mit höherer Lebensqualität oder sogar in ländlicheren Gegenden. Das gelegentliche Pendeln, beispielsweise ein Tag pro Woche ins Büro, ist für viele eine willkommene Alternative zu täglichen Arbeitswegen. So entsteht auch hier nicht nur mehr Raum für persönliche Bedürfnisse, sondern auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Die Erfahrungen der letzten Jahre – von der Pandemie bis hin zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisen – scheinen außerdem dazu beigetragen zu haben, dass Millennials vielleicht auch einfach resilienter geworden sind. Diese Generation ist es gewohnt, mit Unsicherheiten umzugehen, und hat offenbar Strategien entwickelt, um besser mit ihnen klarzukommen. Die Kombination aus gestärkter Resilienz und größerer Flexibilität tragen vielleicht dazu bei, den Berufsalltag weniger stressbelastet zu erleben.
Die Studie schließt mit der schönen Erkenntnis, dass die meisten Befragten im beruflichen Kontext vor allem auf ihre Kolleginnen und Kollegen zählen können. Drei Viertel der Vorgesetzten unterstützen ihre Mitarbeitenden demnach in einem hohen Maße, und auch bei der Unterstützung durch den Arbeitgeber als Gesamtorganisation geben immer noch 64 Prozent an, eine hohe Unterstützung zu erhalten. Noch höher ist der Studie zufolge die Unterstützung aus dem privaten Umfeld: Bei Fragen zu Themen wie Vertrauen und Geborgenheit, soziale Kontakte in der Freizeit oder Hilfe bei bedrückter Stimmung oder Krankheit liegen auf einer Skala von 1 bis 5 alle Werte bei über 4: 94 Prozent der befragten Millenials fühlen sich durch ihr privates in hohem Maße Umfeld unterstützt, sechs Prozent erfahren mittlere Unterstützung und niemand gab an, keine Unterstützung zu erhalten.
Sarah Willer: Das war tatsächlich auch mein ganz persönliches Highlight der Studie! So ist ein solch ausgeprägtes Supportsystem wirklich bemerkenswert, aber ob es primär der Kommunikationsbranche oder der Generation der Millennials zuzuschreiben ist, lässt sich nur schwer eindeutig beantworten.
Allerdings sprechen einige Erkenntnisse aus der vorrausgegangenen Forschung für einen generationsbedingten Einfluss: Millennials legen großen Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen – sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext. Sie bevorzugen eine kollegiale, unterstützende Arbeitsatmosphäre, in der sie sich als Teil eines Teams fühlen und in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Ebenso spielt ihr privates Umfeld eine wichtige Rolle für ihre Lebenszufriedenheit und mentale Gesundheit. Der Fokus auf soziale Kontakte und emotionale Unterstützung ist eine Priorität, die Millennials stärker betonen als viele vorherige Generationen.
Gleichzeitig kann auch die PR- und Kommunikationsbranche mit ihrer oft teamorientierten Arbeitsweise dazu beitragen, dieses Gefühl von Unterstützung zu fördern. Projekte sind häufig teamgetrieben, was eine enge Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung erfordern. Zudem sind Führungskräfte in Kommunikationsberufen womöglich auch einfach oft darauf geschult, empathisch und nahbar zu agieren, was sich positiv auf die Zufriedenheit und die Bindung der Mitarbeiter an den Arbeitgeber auswirkt.
Es ist spannend, dass dieses starke Unterstützungssystem trotz der zunehmenden Remote-Arbeit so gut funktioniert. Remote Work schließt das Gefühl von Zugehörigkeit und Unterstützung nicht aus – im Gegenteil, sie bietet Flexibilität und stärkt gleichzeitig das Teamgefühl. Besonders nach den Herausforderungen der letzten Jahre – von der Pandemie bis zu globalen Krisen – ist es schön zu sehen, dass diese Form der Unterstützung weiterhin gut etabliert ist.
Analyst bei Gauly
Sarah Willer ist die Macherin hinter der Studie „Die Macher von Morgen“. Durchgeführt hat sie sie als Masterarbeit zusammen mit der Uni Leipzig und #30u30.
Für die zweite Auflage der Studie "Die Macherinnen und Macher von morgen" haben 250 #30u30-Alumni Fragen zu Karriereentwicklung und Zufriedenheit im Job beantwortet.