Wenn es so etwas gibt wie eine Vorzeigekarriere, dann hat Franz Rumstadt geliefert: Abi und Studium mit Bestnoten, Top-Job bei Porsche, Doktortitel in Strategic Marketing. 2021 war er Teil der 30u30-Crew, beruflich kümmerte er sich zuletzt um die CEO-Kommunikation der Volkswagen Group. Doch seit Frühjahr 2026 hat er eine neue Aufgabe: als Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Lappersdorf in Bayern. Im Interview spricht Franz über seine Motivation – und darüber, was er an seinem Comms-Job am meisten vermisst.
Franz, du bist seit März 2026 erster Bürgermeister von Lappersdorf bei Regensburg. Warum hast du kandidiert?
Ich mache seit meinem 14. Lebensjahr Kommunalpolitik und konnte mir deshalb schon früh vorstellen, einmal Bürgermeister zu werden. Für mich war Politik nie etwas Abstraktes, sondern immer eng mit dem Leben vor Ort verbunden – mit Vereinen, Ehrenamt und den Menschen in meiner Heimatgemeinde. Jetzt war aus meiner Sicht der richtige Zeitpunkt gekommen, Verantwortung zu übernehmen. Lappersdorf steht vor großen Herausforderungen, vor allem finanziell und strukturell. Gleichzeitig gibt es enorme Chancen, Dinge neu zu gestalten. Ich bin zwar erst 29 und hätte auch noch eine Amtsperiode warten können. Aber ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich mir das Amt in sechs Jahren noch zugetraut hätte, wenn wir bis dahin die Themen weiterlaufen hätten lassen, statt sie systematisch anzupacken.
Vorher warst du in führenden Comms-Rollen bei Volkswagen und Porsche. Was hast du hier gelernt, das dich für deine Aufgaben als Bürgermeister wappnet?
Erstens: komplexe Gedanken zu strukturieren. In der Kommunalpolitik geht es an vielen Stellen darum, Ordnung in schwierige Themen zu bringen. Das lernt man in der Konzernkommunikation.
Zweitens: Themen zu verstehen, die einem zunächst fremd sind. Im Konzern können das technische Krisen, Strategiefragen oder Produktionsprozesse sein – in der Kommunalpolitik geht es um Bauprojekte, Vereinsrecht oder die Frage, welche Sportstätte einen Kunstrasenplatz bekommt und welche nicht. Aber immer gilt: Man muss sich tief einarbeiten und am Ende verständliche Botschaften formulieren. Das ist eine Fähigkeit, die man als Kommunikator lernt. Und Drittens: den Austausch auf Augenhöhe mit ganz unterschiedlichen Akteuren. Ich habe bei Volkswagen und Porsche mit Managern auf der obersten Ebene zusammengearbeitet – und ich würde sagen, dass ich auch immer Respekt vor Hierarchien hatte. Aber ich war einer der wenigen, die nicht von Grund auf verstummt sind, wenn sie den Raum betreten haben. Man hat mir im Konzern gerne eine gewisse Bodenständigkeit und einen hilfreichen Pragmatismus attestiert. Das hilft mir auch in meiner Rolle als Bürgermeister: Politik darf nicht nur innerhalb von Parteien oder Bubbles stattfinden. Wer auf einem Feuerwehrfest nicht erklären kann, wofür er steht, ist aus meiner Sicht für politische Verantwortung völlig ungeeignet.
Von welchen Erfahrungen aus deiner Reise bei 30u30 profitierst du heute?
30u30 war für mich der eigentliche Einstieg in die Kommunikationsbranche außerhalb des Konzerns. Ich habe dort gemerkt, wie eng und familiär die Szene ist und wie wertvoll der Austausch mit anderen jungen Kommunikatorinnen und Kommunikatoren sein kann. Besonders spannend fand ich, ähnliche Fragestellungen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen. Dieses Netzwerk und der offene Austausch helfen mir bis heute. Außerdem verbindet einen die gemeinsame Erfahrung langfristig – man begegnet sich immer wieder.
Was wird du an deinem Comms-Jobs vermissen?
Am meisten wahrscheinlich die internationale Perspektive. Ich fand es immer spannend, Projekte in unterschiedlichen Ländern und Kulturen zu begleiten und dadurch den eigenen Blick zu erweitern. Das wird im kommunalpolitischen Alltag natürlich weniger. Gleichzeitig war der Wechsel keine bewusste Abkehr vom Konzern, sondern eine Entscheidung für das Bürgermeisteramt und für meine Heimat. Und um fair zu bleiben: Als hauptberuflicher Bürgermeister in Bayern verdient man zwar nicht so viel wie in einer Führungsposition bei Porsche und VW. Aber man kann gut davon leben und ist abgesichert. Ich finde: Ich hatte viele Jahre den zweitschönsten Job der Welt. Jetzt habe ich den schönsten.
Und worüber bist du froh, es künftig nicht mehr tun zu müssen?
Ich formuliere es mal so: Ich entscheide jetzt selbst, was ein Problem ist – und das ist gut so.
Talent im Interview

Franz Rumstadt
Bürgermeister
Franz Rumstadt war 2021 Teil der 30u30-Crew, beruflich kümmerte er sich zuletzt um die CEO-Kommunikation der Volkswagen Group. Seit Frühjahr 2026 ist er Bürgermeister der Marktgemeinde Lappersdorf in Bayern.
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