365 Sherpas – Die Agentur setzt auf Ersthelfer:innen für psychische Gesundheit

Roxana Leps ist Ersthelferin für psychische Gesundheit in der Agentur 365 Sherpas. Im Interview erzählt die Personalerin, wie es dazu kam und was ihre Aufgaben sind. Und Sie sagt deutlich: Es braucht mehr von uns!

Seit wann gibt es bei den Sherpas die Ersthelfer:innen für psychische Gesundheit?

Die Personaler:innen wurden im September 2021 zum Thema „mentale Belastungen und Erkrankungen“ geschult. Die Ausbildung der ersten mentalen Ersthelfer:innen im Rahmen eines sogenannten MHFA-Ersthelferkurses hat dann beim ZI – Zentralinstitut für seelische Gesundheit im Februar und März 2023 stattgefunden. Teilnehmen konnten alle Mitarbeitenden, also nicht nur die Personalabteilung.

Was waren die Beweggründe? Gab es eine Initialzündung, einen Vorfall oder Ähnliches? 

Die Zahl der Menschen mit psychischen Belastungen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Untersuchungen belegen, dass pro Jahr mehr als jede:r vierte Erwachsene in Deutschland an einer psychischen Erkrankung leidet. Deshalb ist für uns ein Arbeitsumfeld enorm wichtig, in dem das Thema mentale Gesundheit offen, vertraulich und vorurteilsfrei besprochen werden kann. Um eine solche Kultur zu schaffen, sind das Wissen über die gängigen psychischen Belastungen im Arbeitskontext und eine konstruktive Kommunikation wichtige Bausteine. Die ausgebildeten mentalen Ersthelfer:innen können mit ihrem Wissen belasteten Mitarbeitenden als Ansprechpartner:innen zur Seite stehen und Kolleg:innen frühzeitig unterstützen, andererseits auch die Führungskräfte bestmöglich beraten.

Wie seid ihr bei der Einführung des Angebots vorgegangen? Wo habt ihr euch über Kurse, Zertifikate ect. informiert?

Da das Thema in den vergangenen Jahren an öffentlicher Präsenz gewonnen hat, gibt es  inzwischen eine Menge Anbieter. Die Kolleg:innen haben vor allem online recherchiert und Informationen eingeholt. Wir haben uns in der Hirschen-Group für das MHFA* Ersthelfer-Programm (*Mental Health First Aid) in Trägerschaft des genannten ZI – Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim entschieden, da die Inhalte des Kurses auf wissenschaftlichen Grundlagen und einem wissenschaftlich überprüften Konzept basieren und die Ausbildung durch Mediziner:innen und Psycholog:innen erfolgt. Wichtig war uns außerdem, die Ernsthaftigkeit der Ausbildung durch die anschließende Möglichkeit zur Zertifizierung zur/zum „Mentalen Ersthelfer:in für psychische Gesundheit“ mit einer Prüfung zu verdeutlichen. Die Ausbildung umfasste sechs Module.

Wie viele Ersthelfer gibt es mittlerweile im Unternehmen?

Bisher gibt es bei 365 Sherpas für 50 Mitarbeitende zwei Kolleginnen, mit dem klaren Ziel auf jeden Fall mindestens einen weiteren Kollegen zu schulen. In der Hirschen-Group, zu der 365 Sherpas mit seinen Schwesteragenturen gehört, haben wir mittlerweile circa 30 Ersthelfer:innen.

Was sind eure Aufgaben?

Einerseits unternehmensweit Awareness für das Thema zu schaffen und Botschafterin für die Themen mentale Gesundheit und Wohlbefinden zu sein mit dem Ziel, das Thema zu entstigmatisieren und andererseits natürlich konkrete und vor allem frühzeitig Unterstützung anzubieten. Also Ansprechperson zu sein für mentale Belastungen jeder Art – für Betroffene oder Beobachter:innen und Führungskräfte. Bei Bedarf Zuhören, Begleiten, Da sein und gegebenenfalls die Vermittlung von professionellen, externen Hilfsangeboten.

Wie reagieren die Kollegen und Kolleginnen auf das Angebot?

Wir bekommen sehr, sehr positives Feedback! Wir rufen regelmäßig in Erinnerung, dass es uns Ersthelfende gibt und sprechen das im Onboarding neuer Kolleg:innen aktiv an.

Was tut die Hirschen Group noch im Bereich mentaler Gesundheit?

Im Rahmen der Hirschen Group-weiten Brave Academy gibt es regelmäßig Sessions zur mentalen Gesundheit für alle Mitarbeitenden, in denen es beispielsweise um Instrumente bei Stress, zur Selbstwirksamkeit etc. geht.

Was würdest du jemandem raten, der ebenfalls gerne Ersthelfer für psychische Gesundheit sein möchte?

Am wichtigsten ist es, sich vorab zu fragen, ob man die notwendigen persönlichen Voraussetzungen mitbringt und bereit ist, andere Menschen in schwierigen und unter Umständen auch für einen selbst belastenden Situationen zu unterstützen und zur Seite zu stehen. Die- oder derjenige sollte deshalb emotional belastbar sein und die Fähigkeit besitzen, auch in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben. Außerdem sind großes Empathievermögen und die Fähigkeit gut zuzuhören extrem wichtig. Man sollte außerdem gut Beziehungen zu Menschen aufbauen können und eine offene und einfühlsame Gesprächsumgebung zu schaffen. Und ganz grundsätzlich: Ich finde es wichtig, dass sich noch viel mehr Menschen zu Ersthelfer:innen für psychische Gesundheit ausbilden lassen. Denn gerade bei seelischen Erkrankungen braucht es ein achtsames Umfeld, das Belastungen erkennt und frühzeitig handelt! Deshalb fände ich es gut, wenn das Wissen um Erste-Hilfe für die Psyche genauso verbreitet wäre wie beispielsweise Erste-Hilfe bei körperlichen Notfällen.

Roxana Leps